Vor kurzem durfte ich ein Doppelportrait zweier Katzen für eine Kundin zeichnen. Eine gute Gelegenheit, dir einen Einblick in meinen kreativen Prozess bei Auftragsarbeiten zu geben. Bei dem konkreten Projekt handelte es sich um eine Tusche-Arbeit. Ich biete solche Arbeiten zwar an, bekomme aber seltener Aufträge dazu. Fotorealistische Arbeiten in Graphit, oder bunte Arbeiten in Line & Wash werden eindeutig bevorzugt.
Umso mehr hat es mich gefreut, einmal wieder zu meinen Präzisionswerkzeugen – aka Tuschestifte, greifen zu dürfen. Das Wunderbare an diesem Zeichenmedium ist, dass man Details sehr fein herausarbeiten kann und gleichzeitig dank der starken Kontraste ein Bild erhält, das in jedem Raum wirkt.
Das Briefing
Jede Auftragsarbeit beginnt mit einem kurzen Austausch, bei dem mir meine Kund:innen ihre Vorstellungen schildern und ein Foto schicken. Am einfachsten geht das über das Formular am Ende dieser Seite, oder auch per Mail. Bei dem besprochenen Katzenportrait handelte es sich um ein Geschenk. Es sollte beide Katzen in A4 beinhalten und bevorzugt sollten beide Körper in ihrer vollständigen Größe enthalten sein. Als Medium wurde Tusche gewünscht. Außerdem wurde ein schwarzer Rahmen vereinbart. Auf dem Foto lagen beide Katzen weiter voneinander entfernt.
Kleiner Einschub: die richtige Fotovorlage für ein Doppelportrait
Grundsätzlich sollten bei Vorlagen für ein Tierportrait immer die Nase und die Augen der Tiere gut zu erkennen sein. (Wie man ein brauchbares Foto knipst, habe ich in diesem Beitrag beschrieben.) Ein Doppelportrait ist aber eine besondere Herausforderung. Im Idealfall sind alle zu zeichnenden Tiere gut ersichtlich auf demselben Foto abgebildet und zwar in jener Position, die sie dann auch am fertigen Bild einnehmen werden. Damit sind Größenunterschiede für mich klar erkennbar und die Lichtverhältnisse – und damit der Schattenwurf – für beide Tiere gleich. Außerdem ist so der Aufnahmewinkel konstant. Dieser Idealfall tritt meiner Erfahrung nach quasi nie ein. Und so habe ich gelernt, mich damit zu arrangieren. Kurz gesagt, ich muss ein paar Kunstgriffe machen. Vereinfacht bedeutet das, ich frage nach den Größenverhältnissen und setze die Tiere für mich in Photoshop zusammen. Sollten sie aus verschiedenen Fotos zusammengesetzt werden, achte ich auf ähnliche Lichtverhältnisse und Kamerapositionen. Wenn aber z.B. eine Katze von oben herab aufgenommen wurde, man bei der anderen für das Foto am Boden gelegen ist, bin ich als Künstlerin chancenlos.
Die Herausforderungen bei dieser Arbeit
Bei dem konkreten Portrait musste ich also die beiden Stubentiger näher zusammenrücken. Das war aber nicht die größte Herausforderung. Zwei Tiere in ihrer ganzen Pracht – also den kompletten Körper – im Format A4 mit Tusche zu zeichnen, ist eine Fuzelarbeit. Die Darstellung wird dabei so klein, dass notwendigerweise Details verloren gehen und individuelle Merkmale nur sehr schwer herauszuarbeiten sind. Da es für mich aber genau um diese Merkmale bei einem Pet Portrait geht und es noch keine klare Vorliebe zu Quer- oder Hochformat gab, habe ich zu Beginn für die Kundin Thumbnail-Sketches angefertigt. Normalerweise gehören Thumbnail-Sketches nicht zu meinem Angebot. Mir war es aber ein Anliegen, diese Fragen vorab zu klären. Meine Präferenz wäre ein hochformatiges Bild gewesen, in dem der Fokus auf die beiden Katzengesichter gelenkt war. Meine Kundin entschied sich für eine Version, bei der beide Tigerchen liegend zu sehen waren.


Thumbnail-Sketches zur Kompositionsfindung. Nachdem ich die ersten 6 meiner Kundin geschickt hatte, hatte sie noch zwei weitere Ideen, die sie in dieser Form von mir umgesetzt sehen wollte.
Phase 1: Die Vorzeichnung
Nachdem diese Entscheidung getroffen war, habe ich mich an die Vorzeichnung gemacht. Dabei zeichne ich die Umrisse zunächst mit Bleistift vor und markiere wichtige Merkmale und Fellzeichnungen im Bild. So eine Vorzeichnung lässt v.a. eine Rückmeldung zu den Proportionen zu und ist die erste und wichtigste Korrekturphase bei einer Auftragsarbeit. Besonders bei einer Tuschearbeit, die kaum Änderungen nach der Fertigstellung zulässt. Im nächsten Schritt habe ich ein Foto der Vorzeichnung meiner Kundin geschickt, ihre Korrekturwünsche erhalten (diese betrafen die Schwanzposition, die Körperfülle der vorderen Katze und die Gesichter) und eingearbeitet. So ganz glücklich war sie an diesem Punkt dennoch nicht. Also hat sie mich schließlich um eine komplette Neuzeichnung gebeten – die Tiere sollten nicht kuschelnd abgebildet werden, sondern beide Körper sollten vollständig und räumlich getrennt voneinander gezeichnet werden.


Die Vorzeichnung. Bild 1 zeigt meine erste Vorzeichnung, Bild 2 zeigt die Vorzeichnung nach Einarbeitung der Änderungswünsche.
Mir ist es wichtig, dass meine Kund:innen am Ende wirklich glücklich sind mit der Arbeit, die sie in Auftrag gegeben haben. Also habe ich mich hingesetzt und die Vorzeichnung noch einmal neu erstellt. Die zweite Version hat zum Glück dann Gefallen gefunden.

Die neue Vorzeichnung.
Phase 2: Die Fertigstellung in Tusche
Für derart kleine Arbeiten und um möglichst viele Details unterzubringen, verwende ich Tuschestifte mit sehr feinen Spitzen in 0,05 mm. Für Schatten, etwa im Fell oder am Boden, nehme ich Zeichentusche, die ich mit Wasser verdünne und mit einem Pinsel auftrage.



Verschiedene „Entwicklungsstadien“ des Katzenportraits. Bild 1: erste Katze fast fertig. Bild 2: beide Katzen fast fertig. Bild 3: das fertige Doppelportrait.
Letzte Änderungen
Nach einigen Stunden Arbeit war das Portrait schließlich fertig. Mein Angebot sieht nach der Fertigstellung eine zweite Korrekturschleife vor. Also habe ich noch einmal nach Änderungswünschen gefragt. Meiner Kundin ist dabei aufgefallen, dass die Streifen der Stubentiger nicht breit genug waren. Diese habe ich im Anschluss verbreitert. Danach konnte ich das Bild rahmen und für die Übergabe vorbereiten. Denn Dank der neuen Verpackungsverordnung der EU ist das Versenden von Produkten seit dem Sommer mit zu hohen Kosten und bürokratischen Hürden verbunden, die ich als Kleinunternehmerin leider nicht stemmen kann. Deswegen gibt es für Wien und – ggf. mit Wartezeiten verbunden – oft auch für die anderen Bundesländer die Möglichkeit der direkten Übergabe.

Das finale Portrait nach Einarbeitung aller Änderungen.
Bei Auftragsarbeiten stelle ich meine eigenen kreativen Vorstellungen hinten an
Obwohl unsere kreativen Meinungen während des Entstehungsprozesses voneinander abgewichen, war meine Kundin am Ende sehr glücklich über das Portrait, das sie erhalten hat und wird es mit Freude verschenken. Und genau darum geht es bei Auftragsarbeiten – glückliche Kund:innen, die ein Erinnerungsstück in den Händen halten, das genau ihren Vorstellungen entspricht.
Wenn auch du ein Portrait verschenken willst – sende mir gleich eine Anfrage. Für Weihnachten ist dies die allerletzte Gelegenheit!

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