Nachdem ich mich am Weltfrauentag bereits als Anhängerin des radikalen Feminismus geoutet habe, dachte ich, machen wir doch am heutigen Earth Day gleich weiter damit. Zuletzt habe ich versucht zu beleuchten, was Feminismus mit Tierrechten zu tun hat. Heute möchte ich das Thema noch ein wenig ausdehnen und Verbindungen zwischen Feminismus und Umweltschutz aufzeigen, bzw. mich ein wenig mit Ökofeminismus auseinandersetzen.
Die Unterdrückung von Frauen und die Unterwerfung der Natur beruhen auf ähnlichen Mustern
Ökofeminismus geht davon aus, dass – wie schon die Unterdrückung der Frau und die Ausbeutung von Tieren – auch die Unterwerfung der Natur auf ähnlichen patriarchalen Mustern beruht. Wieder geht es um eine Einteilung in vermeintliche Gegensätze: Mann/Frau, Mensch/Tier, Kultur/Natur, mit deren Hilfe eine männliche Dominanz begründet wird. Die Gegensätze werden hierarchisch gewichtet, einer Seite (Spoiler: der männlichen) wird mehr Wert zugeschrieben. Nachdem die Umwelt also den Kürzeren gezogen hat, muss sie weichen. Natürliche Lebensräume werden entweder als Hindernisse betrachtet, die man überwinden muss, oder als Ressourcen verstanden, die man ausbeuten kann. Die logische Konsequenz zivilisatorischer Entwicklung ist demzufolge unweigerlich der Verlust von Natur.
Ökofeminismus beruft sich meist auf Fürsorgeethik
Die Auswirkungen sehen und spüren wir spätestens seit den 1960ern. Was schließlich zum ersten Earth Day führte, der 1970 von der Umweltbewegung veranstaltet wurde. 1972 wurde das Buch “Die Grenzen des Wachstums” des Club of Rome veröffentlicht. Und 1974 tauchte der Begriff Ökofeminismus auf, geprägt von der Aktivistin Françoise d’Eaubonne. Seine Anhänger:innen richten sich gegen die Unterteilung der Welt in hierarchisch gewichtete Gegensätze, und gegen atomistischen Individualismus. Atomistischer Individualismus sieht die Gesellschaft als eine Ansammlung von voneinander unabhängigen Einzelnen, die ohne soziale Verantwortung handeln (dürfen). Im Gegensatz dazu beruft sich der Ökofeminismus meist auf Fürsorgeethik – es geht darum, sich mit der Natur zu verbinden, sich als Teil der Natur zu erleben und sie so als schützenswert zu erkennen. Die Fürsorgeethik sieht Menschen nicht als isolierte Individuen, sondern eingebettet in ein Netzwerk, aus dem sich moralische Verantwortung für andere ergibt.
Patriarchale Strukturen sollen Fürsorge und Solidarität weichen
Kurz zusammengefasst: Ökofeminismus legt die Verstrickung von Patriarchat und Ausbeutung der Natur offen und dehnt diese in weiterer Folge auf Kapitalismus und Unterdrückung von Minderheiten aus. Seine Anhänger:innen möchten dieses Muster mit Fürsorge und Solidarität aufbrechen.
Ökofeminismus in der bildenden Kunst
Denkst du jetzt: “Eh nett, aber ich bin wegen der Tierkunst hier?” Dann habe ich ein paar passende Tipps für dich. Denn die Themen des Ökofeminismus und der Ausbeutung der Natur und ihrer Bewohner:innen werden natürlich auch in der bildenden Kunst verhandelt.
Jane Lewis ist eine britische Malerin, Zeichnerin und Grafikerin, deren Stil stark von der Renaissance beeinflusst ist. Sie beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit der Ausbeutung von Tieren und Zerstörung von natürlichen Lebensräumen.
Patricia Piccinini ergründet in ihren Zeichnungen, Fotografien und Skulpturen das Menschliche und die Grenzen zwischen Natur und Kultur.
Suzanne Husky ist eine französische Aquarell-Malerin, die in ihrer Arbeit den menschlichen Einfluss auf die Natur verarbeitet und uns einlädt, unsere Verbindung zum Natürlichen zu überdenken.
Literatur:
- Attfield, Robin (2018): Social and Political Movements, in: Attfield, R., Environmental Ethics: A Very Short Introduction. Oxford: Oxford University Press, 77-89
- Battersby, Hannah and MacGregor, Sherilyn (2026): Ecofeminist Ethics: An Introduction to Fundamental Concepts and Current Issues. Routledge.

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