Heute ist Weltfrauentag. Deswegen sage ich es einfach mal ungefragt: Ich bin Feministin. Ich bin gegen das Patriarchat. Ich unterstütze die Tierrechtsbewegung. Und was das alles miteinander zu tun hat, das erfahrt ihr in diesem Blog-Beitrag.
Der Unterdrückung von Frauen und Tieren liegt eine ähnliche Dichotomie zugrunde
Seit Millenia werden Frauen im Patriarchat systematisch unterdrückt und männlicher (sexueller) Gewalt ausgesetzt. Im selben System werden jährlich Billionen* (!) Tiere umgebracht – um als Lebensmittel auf unseren Tellern zu landen, als Versuchstiere in Laboratorien oder durch die Zerstörung von Lebensraum. Die Unterdrückung von Frauen und Tieren erfolgt dabei nach den gleichen Prinzipien. Ihnen liegt eine ähnliche Dichotomie zugrunde, eine Gegenüberstellung von vermeintlichen Gegensätzen: Mann/Frau, Mensch/Tier. Erst diese Einteilung in Gegensatzpaare, in der Frauen und Tiere jeweils “etwas anderes” sind, ermöglicht ihre Unterdrückung. An der Spitze findet sich der menschliche Mann. An ihm wird das Andere gemessen, abgeglichen und hierarchisch bewertet.
Tiere werden ausgebeutet, geschlachtet, verzehrt. Fleisch zu essen ist ok, weil es sich dabei nicht um Menschen handelt, sondern etwas anderes. Aufgrund seiner Andersartigkeit hat es weniger Wert. Die Andersartigkeit zum Mann ist es auch, die Frauen von politischer und gesellschaftlicher Teilhabe über Jahrtausende ausgeschlossen hat, die ihre Unterdrückung und männliche Gewalt ermöglicht hat. Und über weite Bereiche noch immer ermöglicht – schließlich haben wir das patriarchale System nicht gestürzt. Männer haben Frauen nur im Rahmen des herrschenden Systems Rechte eingeräumt.
Die Objektifizierung trifft Frauen und Tiere
Ein weiteres Instrument der Unterdrückung ist die Objektifizierung. Auch sie trifft Frauen und Tiere. In der Fleischindustrie werden Tiere verarbeitet und zerstückelt – sie werden fragmentiert und dabei konzeptualisiert. Am Ende erinnert nichts mehr an das eigentliche Lebewesen. Aus ihm werden Fleischstücke – Würstel, Schinken, Speck, Steaks und Leberkäse. Durch die anschließende Zubereitung in der Küche wird der Ursprung des Fleisches noch weiter verschleiert und versteckt. Erst wenn diese Objektifizierung und Fragmentierung vollzogen ist, kann es ruhigen Gewissens gegessen werden.* Der Konsum am Ende stellt die Vervollkommnung der Unterdrückung dar, die Auslöschung des Willens und der Identität des Gegenübers.
Frauen werden allzu oft auf ihr Äußeres reduziert und sexualisiert – auch sie werden dabei vom Subjekt zum Objekt herabgestuft. Sie werden fragmentiert und konsumiert – im mildesten Fall über Bilder in den Medien bis hin schließlich zu Vergewaltigung und Frauenmord.
Keine Superfrauen sondern eine Änderung des Systems
Immer wieder versuchen liberale Feministinnen, sich im System zu behaupten und ihre Gleichheit zu Männern zu beweisen, indem sie das Verhalten von Männern annehmen. Sie werden zu vermeintlichen Superfrauen, die die Hürden des Systems überwinden. Sie demonstrieren ihren Wert, indem sie männliche Eigenschaften annehmen und leben. Dabei verstärken sie jedoch genau jene patriarchalen Normen und Dichotomien. Um die Unterdrückung aller Frauen und aller Tiere aufzuheben, braucht es eine grundlegende Systemänderung. Deswegen: Smash the Patriarchy!
* 80 bis 92 Milliarden Landtiere und 1,1 bis 2,2 Billionen Meerestiere werden jährlich weltweit für die Lebensmittelindustrie getötet.
*Anm.: Müsst ihr jetzt auch an Spanferkel oder Sauschädel denken? Sie sind für mich der Inbegriff von patriarchalen Traditionen, die von alten, weißen Männern gehütet werden. Männliche Dominanz, vermeintliche Maskulinität und Gewalt werden hier offen zelebriert.
Literatur
- Adams, Carol J. (2016): The Rape of Animals, the Butchering of Women, in: Armstrong, Susan J., Botzler, Richard G., The Animal Ethics Reader. New York: Routledge, 281 – 286
- Salmen, Alina & Dhont, Kristof (2022): Animalizing women and feminizing (vegan) men: The psychological intersections of sexism, speciesism, meat, and masculinity. Kent. Wiley.
- Glasser, Carol L. (2011): Tied Oppressions: An Analysis of How Sexist Imagery Reinforces Speciesist Sentiment. Brock University. The Brock Review, Volume 12.

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