Ende November habe ich zum ersten Mal auf einer “richtigen” Kunstmesse ausgestellt. Wie sich herausstellte, kann man das machen. Man kann auf diese teure Lernerfahrung aber auch verzichten.
Wie kam es überhaupt dazu?
Anfang November bin ich auf Instagram über einen Post gestolpert, der zur Last-Minute-Bewerbung für die INC Art Fair aufgerufen hat. Es ist wohl jemand ausgefallen. Ein Platz wäre frei. Nun muss man erwähnen, dass die meisten Kunstmessen in Österreich nur Galerien ausstellen lassen. Kunstmessen, die auch unabhängigen Künstler:innen offenstehen, sind selten. Noch seltener sind dann halbwegs erschwingliche Standplätze. Die INC Art Fair bietet beides. Deswegen habe ich mich einfach mal beworben. Und tatsächlich kam bereits innerhalb von 12 Stunden die Zusage vom Veranstalter. Bis dahin hatte ich mir noch nicht einmal große Chancen ausgerechnet, überhaupt akzeptiert zu werden. Die Schnelligkeit dieser Zusage hat mich zunächst stutzig gemacht. Außerdem musste ich erst mit meinem Mann abklären, ob er den Weg nach Dornbirn – von Wien sind das immerhin fast 7 Autostunden – mit mir auf sich nehmen könnte/wollte. Gemeinsam haben wir dann aber beschlossen, dass wir die Gelegenheit einfach einmal nutzen sollten.
Auf nach Dornbirn
Ich habe also den Vertrag unterschrieben, 1.300 Euro für eine 3 Meter große Wandfläche (= kleinstmögliche Einheit) bezahlt, ein Hotel gebucht und meine Bilder gerahmt. Zumindest letzteres war kein besonders langwieriges Unterfangen, denn die Hängeordnung der INC Art Fair lässt es nicht zu, seine Wand frei zu gestalten. Exklusivität soll ausgestrahlt werden. 4 Bilder waren alles, was ich auf dieses kurze Wandstück hängen konnte. Schließlich haben wir alles ins Auto verfrachtet, Bärbel (mein Hundemädchen) auf die Rückbank gehoben und sind los.
Der Aufbau
In Dornbirn und der Messe angekommen, machten wir uns erst einmal an den Aufbau. Mit 4 Bildern geht das ziemlich flott. Positiv zu vermerken ist, man hat uns – unabsichtlich – ohne Aufpreis einen Platz im Lager gebucht und einen Sessel zur Verfügung gestellt. Weniger positiv hingegen war, dass mein Name am Schild meiner Wand falsch geschrieben war. Ramona statt Romana. Bereits in den Mails zuvor hat mich der Veranstalter konsequent mit Ramona angesprochen – obwohl ich natürlich immer mit meinem richtigen Namen unterschrieben habe und auch ein Blick auf meine E-Mail-Adresse genügt hätte, um diesen Fehler zu vermeiden. In einer meiner Mails habe ich sogar extra auf die falsche Schreibweise hingewiesen – eben um solche Pannen zu vermeiden. Als ich das fehlerhafte Schild angemerkt habe, wurde mir eröffnet, das sei meine eigene Schuld. (Ich hätte das zu spät richtiggestellt. Schild war da bereits gedruckt.) Dennoch wurde dann mehr oder weniger einsichtig ein neues Schild gebastelt.
Neben dem kleinen Fauxpas mit dem Schild störte mich aber etwas anderes ungleich mehr. Die Messe Dornbirn – oder zumindest die Halle, in der die INC Art Fair stattfand, ist in einen Hauptbereich und das Foyer gegliedert, die räumlich voneinander getrennt sind. Der größte Teil der Ausstellung fand im Hauptraum statt. Weil aber wohl Platz war und Platz Geld bedeutet, hat man im Foyer ebenfalls Wände aufgestellt und ein paar der Austeller:innen – mich eingeschlossen – dort abgestellt. Dieser unliebsame Foyer-Bereich vermittelte leider nicht den Eindruck, wirklich Teil der Ausstellung zu sein.
Schleppend ging es los – und weiter
Noch am selben Abend waren Vernissage und Eröffnung. Zuvor hatte uns der Veranstalter – vermutlich um die Stimmung zu heben (?) – gleich einmal eröffnet, dass man sich von dieser Messe nicht zu viel erwarten dürfte. Große Verkäufe würden das keine werden. Man hofft, es würde zumindest besser laufen als das Jahr davor.
Und so schleppend wie angekündigt ging es dann los. Und die nächsten Tage weiter. Es fehlte an Besucher:innen. Tatsächlich ist jeder Kunsthandwerksmarkt besser besucht als diese Kunstmesse. Auch sollte der Veranstalter seine Marketing Personas überarbeiten, denn das Publikum entsprach eindeutig nicht der richtigen Demografie. Und dann war da noch dieser lästige Foyer-Platz, der sich nicht wirklich als Teil der Ausstellung begreifen wollte. Mein Tipp wäre, wenn man diesen Platz schon nutzen möchte, dann sollte man hier etwas ganz anderes machen, als in der eigentlichen Halle. Etwa einen Bereich nur mit Skulpturen.
Leistungen laut Vertrag vs. Realität
Wofür bezahlt man eigentlich so viel bei einer Kunstmesse? Laut Vertrag deckt der Betrag nicht nur die Ausstellungsfläche ab. Auch Marketing und Werbung gehören zu den darin vereinbarten Leistungen. Den Marketing-Aspekt hat die INC Art Fair mir gegenüber leider nicht erfüllt. Mein Bild kam überhaupt erst einen Tag vor Messebeginn auf die Website – und das nicht in die gleiche Maske eingepflegt wie die anderen. Auf Social Media wurde ich kein einziges Mal auch nur erwähnt. Die Führungen auf der Messe selbst wurden an mir (und anderen Einzelausteller:innen) vorbeigelotst, ohne uns auch nur eines Blickes zu würdigen. Auch finde ich es frech, für eine Wandfläche im Foyer das Gleiche zu verlangen wie für einen Platz im Hauptraum.
Fazit: Nur Aufwand – keine Entschädigung
Am Ende der drei Tage hatte ich – wie die meisten der Aussteller:innen – kein einziges Kunstwerk verkauft. Ja, noch nicht einmal besonders viele Kund:innengespräche waren möglich – es waren einfach zu wenige Besucher:innen anwesend. So war diese Messe auch aus Marketingsicht ein Bauchfleck. Mit Anlauf. Auf Beton. Einzig mit einer Galerie aus München bin ich ins Gespräch gekommen, die Interesse an meinen Werken hatte. Was bleibt, ist ein sattes Minus am Konto und damit die Aussicht auf eher magere Weihnachten dieses Jahr. Und eine Lernerfahrung, die man machen kann, aber eindeutig nicht machen muss.
Verbesserungsvorschläge
- Wenn das Foyer als Ausstellungsfläche genutzt werden soll, dann sollte sich dieses von der Haupthalle abheben, um den Besucher:innen zu suggerieren, dass es hier noch mehr und anderes zu entdecken gibt. Eine Möglichkeit wäre es, im Foyer ausschließlich Skulpturen zu zeigen.
- Ausstellungsflächen im Foyer sollten deutlich günstiger sein als in der Haupthalle.
- Besucher:innen sollten nicht nur in Dornbirn angesprochen und angelockt werden. Dafür ist die Stadt zu klein. Die Nähe zur Schweiz sollte gerade für Kunstmessen im Marketing berücksichtigt werden.

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