Eine gelungene Kunstserie besteht aus einzelnen Werken, die sich mit einem gemeinsamen Thema, einem immergleichen Motiv beschäftigen, eine ähnliche Farbpalette abdecken oder auf den gleichen Zeichentechniken beruhen. Was passiert, wenn man diese Charakteristika ignoriert? Keine Serie!
Das letzte halbe Jahr habe ich damit verbracht, größere Zeichnungen herzustellen. Im Format A2, also 59,4 × 42 cm, um genau zu sein. Das ist jetzt nicht riesig, aber für realistische Bleistiftzeichnungen gerade noch überschaubar genug, um ungeduldige Menschen wie mich nicht komplett verrückt zu machen. Neben der Größe hatte ich mir noch eine zweite Vorgabe gesetzt. Ich wollte verschiedene Möglichkeiten ausprobieren, den Hintergrund zu gestalten. Ich bevorzuge farbige Hintergründe als Kontrast zu meinen monochromatischen Graphit- und Tuschemotiven im Vordergrund. Jedoch ist es nicht immer einfach, eine gute Materialkombination zu finden. Meine realistischen Zeichnungen entstehen hauptsächlich auf glattem Bristol-Papier. Dieses Papier eignet sich besonders für detailierte und präzise Darstellungen. Aufgrund seiner glatten Oberfläche, an der Farbpigmente nur wenig Halt finden, ist es wenig geeignet für das Arbeiten mit Farbstiften. Nasse Maltechniken ergeben außerdem unschöne Wellen.
Ich hatte also beschlossen, eine Serie bestehend aus 6 Zeichnungen zu machen, deren einzige gemeinsame Nenner, das Format und die Graphitzeichnungen im Vordergrund sein würden. Ich hatte kein gemeinsames Thema festgelegt, keine Beschränkungen in der verwendeten Farbpalette für mich fixiert, kein Motiv, das alle Zeichnungen verbinden würde. Irgendwie bin ich davon ausgegangen, dass sich das schon ergeben würde, wenn ich mich ans Werk mache.
Chicken rex
Ich begann also mit dem ersten Bild. Chicken rex. Es zeigt ein realistisch gezeichnetes Huhn vor einem farbigen Dinosaurier-Hintergrund in Aquarell. Die Dinos sind als sich wiederholendes Muster konzipiert. Das Bild ist eine Anspielung auf die Evolutionsgeschichte des Huhns und die Tatsache, dass Vögel Nachfahren zweibeiniger Dinosaurier sind.
Um das Muster zu erstellen, habe ich eine Schablone aus transparentem Papier gebastelt. Durch Abpausen habe ich es auf meine Zeichnung übertragen und anschließend mit Aquarellstiften und wenig Wasser die Dinos ausgemalt, um zu vermeiden, dass sich das Bristol-Papier zu stark wellt.
St. Guinefort
Als nächstes Bild war St. Guinefort an der Reihe. Womit ich die Evolutionsgeschichte verließ und mich in Richtung Tierethik bewegte. Guinefort, ein Windhund, ist der einzige Tierheilige des Christentums. In den darauffolgenden Jahrhunderten wurde die Stellung von Tieren in der Gesellschaft immer weiter herabgestuft, quasi, um den Weg in die Massentierhaltung und zu medizinischen Tierversuchen zu ebnen.
St. Guinefort zeigt einen Windhund mit Heiligenschein, umrandet von einem Blumenmuster. Elemente, die bei mittelalterlichen Darstellungen üblich waren. Für den Heiligenschein und das Muster habe ich Gouache verwendet. Das Muster habe ich diesmal direkt ohne Vorzeichnung aufgetragen.
Finding Your Niche
Nach diesem kurzen Ausflug in die Tierethik ging es wieder zurück zur Urgeschichte. Es folgte “Finding Your Niche” mit einem Portrait von drei Katzen, zu denen sich ein Dinosaurier der Gattung Lycaenops geschmuggelt hat. Lycaenops wird manchmal nachgesagt, dass er katzenartig gewesen wäre. So entstand die Idee zu diesem Bild.
Während die Tiere allesamt in Graphit gehalten sind, habe ich mich für Farbstifte entschieden, um den Hintergrund zu zeichnen. So habe ich die Tiere vor eine gestreifte Tapete gesetzt. Ein weiterer Kontrastpunkt ergibt sich durch das Fisch-Spielzeug im Vordergrund. Da ich für dieses Bild Farbstifte verwendet habe, habe ich auf ein anderes Papier (Multi-Technique von Clairefontaine) zurückgegriffen, das eine rauere Oberfläche aufweist, auf dem die Farbpigmente besser haften.
Fox 1
Dazwischen habe ich mich auf einem schlecht besuchten Markt gelangweilt und einen Fuchs gezeichnet. Aus dieser Beschäftigungsübung entstand “Fox 1” (es gibt noch einen weiteren Fuchs, der aber nicht ganz fertig wurde und auf einen neuen Markt wartet). Zurück in meinem Atelier (aka Wohnzimmer) habe ich schließlich einen abstrakten Hintergrund in Gouache hinzugefügt. Das Bild hat nur A4 Format und fällt somit aus der Reihe.
Don’t Worry, Be Capy
Es folgte “Don’t Worry, Be Capy”, das zwei Capybaras auf einer Wiese zeigt. Das Referenzfoto hierzu habe ich bei einem Besuch im Tiergarten Schönbrunn selbst aufgenommen. Auch hierbei habe ich mich für Multi-Technique-Papier entschieden. Was aber nicht nötig gewesen wäre, da ich am Ende für den Hintergrund auf Aquarellspritzer gesetzt habe.
Selbstportrait
Als letztes Bild der “Serie” entstand schließlich mein erstes Selbstportrait seit 20 Jahren. Es zeigt mich mit einem Trapezseil um den Hals (ich bin Luftakrobatin). Es ist ebenfalls auf Multi-Technique-Papier gezeichnet mit einem abstrakten Hintergrund aus Aquarellfarben. Wobei ich hier an die Grenzen des Papiers gestoßen bin – es hat sich durchaus stark gewellt, wodurch es wohl für Nasstechniken ebenfalls ungeeignet ist.
Das Resultat: 6 eigenständige Bilder
Am Ende stand ich vor 5 großformatigen und einem kleinformatigen Bild mit unterschiedlichen Hintergrundtechniken, die man kaum zu einer Serie zusammenfügen würde. Aber immerhin habe ich daraus etwas gelernt. Nämlich, dass man, um eine Serie zu machen, entweder ein gemeinsames Thema wählen sollte – z.B.: Spuren der Dinosaurier; oder eine gemeinsame Farbpalette. Und wenn gar nichts mehr hilft, sollte man zumindest alle Techniken gleich halten – z.B.: Graphitzeichnungen mit einem abstrakten Hintergrund aus Gouache.
Abstrakte Hintergründe aus Gouache und Farbstiften
Daneben habe ich aber auch ein paar Erkenntnisse zu meinen Hintergrundvorlieben gewonnen. So werde ich mich in Zukunft auf Gouache und Farbstifte fokussieren und vermehrt mit abstrakten Formen experimentieren. Vielleicht entsteht daraus ja eine Serie.
P.S.: Alle beschriebenen Zeichnungen gibt es auf Saatchi Art zu kaufen. Auf den nächsten Märkten werde ich außerdem von manchen Drucke dabei haben. Falls dir hingegen eine Arbeit besonders gefällt, du aber gerne ein anderes Tier als Hauptmotiv hättest, dann schick mir doch eine unverbindliche Anfrage für eine Auftragsarbeit!















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