Kennt ihr Inktober? Das ist eine weltweite Kunst-Challenge, die jedes Jahr im Oktober auf Instagram und anderen Kanälen ausgerufen wird. Ursprünglich wurde sie von dem Zeichner Jake Parker ins Leben gerufen, der seine eigenen Fertigkeiten mit Tusche verbessern wollte. Daraus entstand ein Hype, der jedes Jahr aufs Neue Zeichner:Innen in den Wahnsinn treibt – äh, zu den Stiften lockt.
31 Tage 31 Zeichnungen
Die Aufgabenstellung ist denkbar einfach. Jeden Tag im Oktober zeichnet man ein Bild – vorzugsweise in Tusche und postet es auf Instagram. Bei der Ideenfindung helfen Stichwortlisten. Neben der offiziellen Inktoberliste kursieren noch einige weitere, die unterschiedliche Themen aufgreifen – von Feen, über Gore bishin zu wissenschaftlichen Zeichnungen ist fast alles irgendwo vertreten und auffindbar.
Ich habe bisher einmal bei Inktober mitgemacht: 2020. Und nicht bis zum Ende durchgehalten. Danach hielt ich mich fern. Nicht, weil es mich nicht in den Fingern gejuckt hätte, mich dem jährlichen Wahnsinn anzuschließen, sondern weil mir klar war, dass ich neben einem Vollzeitjob unmöglich die Zeit finden würde, 31 Zeichnungen unter Zeitdruck zu fabrizieren.
Dieses Jahr fiel die Ausrede mit dem Vollzeitjob weg (ich arbeite neben meiner Kunst nur noch Teilzeit). Also dachte ich, Inktober und ich … wir sollten es noch einmal miteinander probieren.
Die Umsetzung
Die erste Hürde für mich war das Auffinden einer passenden Stichwortliste. Birdtober hätte mich gereizt, aber 31 Vögel erschienen mir dann doch ein wenig exzessiv. Ich entschied mich dafür, die Hälfte der Zeichnungen als botanische Illustrationen anzufertigen anhand einer Liste unterschiedlicher Pflanzennamen, um mich ein wenig zusätzlich herauszufordern. Die andere Hälfte würde ich mit Tierzeichnungen von meiner eigenen Liste füllen. Da mein üblicher Zeichenstil zu aufwendig für das Arbeiten unter Zeitdruck ist, wollte ich auf Line & Wash umsteigen – d.h. Linienzeichnungen in Tusche mit Aquarellfarben kombinieren. Außerdem musste das Format schrumpfen. Ich habe mich für ein A6 Postkartenformat für alle Zeichnungen entschieden.
Dann ging es auch schon ans Zeichnen. Die Listen werden meist schon im September veröffentlicht, damit man etwas Zeit für die Vorbereitung hat. Da ich aber ziemlich eingedeckt mit Auftragsarbeiten war, habe ich recht knapp vor dem Start begonnen.
There is no fun in Inktober
Eines gleich vorweg: Ich habe Inktober durchgezogen und rechtzeitig beendet. Dennoch habe ich Aufwand und Stress, die mit der Challenge verbunden sind, unterschätzt. Mit Spaß hatte es für mich wenig zu tun. Denn neben meinem Job, einigen Auftragsarbeiten und den normalen Herausforderungen einer Selbstständigkeit blieben schließlich nur noch die Abendstunden fürs Zeichnen. Für die Planung der Bilder oder gar Sketches war keine Zeit. Es war ein reines Abarbeiten einer Liste. Eine unerwartete Hürde war schließlich auch das Scannen der Zeichnungen und das Posten auf Social Media.
Wozu?
Zu all dem Stress gesellte sich schließlich noch die Sinnfrage. Früher, in der guten alten Zeit auf Instagram, als die Algorithmen noch gnädig waren und Hashtags eine Funktion erfüllten, war Inktober eine valide Möglichkeit, seine Reichweite und Follower-Zahl zu erhöhen. Wenn man heutzutage aus diesem Grund bei Inktober mitmacht, darf man sich darauf einstellen, enttäuscht zu werden. Durch die Abschaffung des chronologischen Feeds und weil der Algorithmen-Gott würfelt, was man zu sehen bekommt, lässt sich mit Inktober oder anderen Challenges kaum Reichweite generieren. Meine Posts bekamen kaum Likes und auch ich habe erstaunlich wenig von anderen Inktober-Teilnehmer:innen mitbekommen. Tatsächlich habe ich während der Challenge Follower verloren. Allerdings fehlte mir auch die Zeit, mich auf Social Media einzulassen. Bereits nach einer Woche habe ich es aufgegeben, meine Zeichnungen auf Instagram zu posten. Von da an habe ich Inktober nur noch für mich und aus eigenem Antrieb verfolgt.
Folglich kann der einzige Grund, bei Inktober oder ähnlichen Challenges mitzumachen, das Verbessern der eigenen Zeichenkünste sein. Dafür muss man aber sehr stressresistent sein.
Mein Fazit
Ich glaube nicht, dass ich noch einmal bei Inktober oder anderen Challenges auf Social Media mitmachen werde. Der Zeitdruck hat mir nicht nur den Spaß am Zeichnen genommen. Ich konnte mich auch nicht auf die Zeichnungen einlassen, wodurch mein Lernfortschritt nicht so groß wie erhofft ausgefallen ist. Hätte ich nur ein Drittel der Zeichnungen gemacht und diesen dafür meine volle Aufmerksamkeit gewidmet, hätte ich vermutlich als Künstlerin mehr davon gehabt.
Das Ergebnis: 31 Mini-Kunstwerke
Doch es war nicht alles für die Fisch! Ich habe nun 31 kleine Kunstwerke im Postkartenformat! 15 botanische Illustrationen, 16 Tierzeichnungen. Diese Mini-Originale eignen sich wunderbar als kleine Weihnachtsgeschenke. So werden sie exklusiv auf den anstehenden Weihnachtsmärkten für nur 30 Euro pro Stück und teilweise gerahmt käuflich zu erwerben sein. Komm doch vorbei – die Termine findest du im Footer meiner Website!
































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